Yogyakarta – Liebe auf den ersten Blick

So eine Individualreise kann ganz schön stressig sein. Alles muss man selber organisieren, niemand der für einen mitdenkt und bei unendlich Möglichkeiten scheint es nicht machbar sich für “das Richtige” zu entscheiden.

Oder man läuft einfach in Jakarta zum Bahnhof Gambir, nimmt den nächsten Zug nach Yogyakarta, schaut entspannt vier Stunden aus dem Fenster und schläft die anderen vier Stunden. Jeweils eine Stunde abwechselnd. Angekommen führt der Weg in die Jalan Sosrowijayan, die Straße in der sich hier die Backpackerszene trifft. Und hier beginnt der Spaß.

Nachdem ich den Schleppern entgangen bin und mir das Hostel meiner Wahl gesucht habe, das Setiwa Kawan Losmen, etwa 9€ die Nacht inklusive Frühstück, Wifi, Klimaanlage, sowie mit wunderschön bemalten Zimmern, setze ich mich, nach einem Essen im Restaurant gegenüber, in die Rezeption und fange mich an mit der Rezeptionistin zu unterhalten. Sie erzählt mir, dass das Restaurant in dem ich gerade essen war, demselben Besitzer gehört wie das Hostel. Er ist erfolgreicher Maler, bekannt weit außerhalb Indonesiens, er hat die beiden Gebäude von den Wandmalereien bis zu den Fließen gestaltet. Yogyakarta ist eine Kulturstadt vom feinsten, hier finden sich Intellektuelle, Künstler und politisch Aktive aus dem ganzen Land. Und wir.

Noch mitten im Gespräch, setzt sich Elise aus den Niederlanden zu mir und wir fangen uns an zu unterhalten. Woher ich gerade komme, über unsere Pläne für die nächsten Tage und so weiter. Es gesellen sich drei Deutsche zu uns – Paul, Carl und Caspar – die sie im Lauf der letzten Tage kennengelernt hat und wir gehen gemeinsam etwas essen und trinken. Die vier haben eine Tour zu einem Vulkan in der Nähe gebucht, vier Stunden Aufstieg heute Nacht, bis morgen Mittag wollen sie wieder zurück sein.

Mir ist das für heute zu viel, festes Schuhwerk möchte ich auch morgen erst noch kaufen, aber während es sich herauskristallisiert, dass wir wohl die nächsten Tage etwas gemeinsam unternehmen werden, spricht uns der aufmerksame Barbesitzer auf unserer Pläne an. Er beherrscht sieben Sprachen, kennt sich geografisch in Deutschland besser aus als ich und kann mehr Zugenbrecher als wir alle zusammen flüssig aussprechen. Sprachlos bleiben nur wir. Außerdem hat er einen neuen Jeep und biete uns an, die Tour die wir planen, statt mit dem lokal Bus mit einem privaten Fahrer zu machen. Für weniger Geld.

Schnell wird aus dem geplanten einen Tag ein zweiter, ein dritter, eine Tour quer durch den Osten von Java und schließlich eine Riesentour bis nach Bali samt Fähre. Der Typ ist der Hammer. Wir können uns verschiedene Tempelanlagen anschauen, die eine morgens um fünf von einem Berg aus zum Sonnenaufgang, die nächste am selben Tag zum Sonnenuntergang. Dazwischen könnten wir uns entweder an einen der schönen Strände bringen lassen oder uns die Produktion des teuersten Kaffees der Welt anschauen. Weiter würde es gehen zu einem aktiven Vulkan, in einen Nationalpark, zur Schildkröteninsel und so weiter…

Wir wollen das unbedingt, können uns aber nicht sofort für alle Details entscheiden, er muss dringend in ein Krankenhaus einen Freund besuchen und wir haben Zeit uns gemütlich zu entscheiden und die Tour zu planen. Während die Anderen nun in Richtung Vulkan losgezogen sind, sitze ich gerade am selben Platz, an dem ich vor zwei Stunden Elise kennengelernt habe und schreibe diesen Text. Im Hintergrund plätschert leise ein kleiner Springbrunnen, ansonsten ist nichts zu hören. Es ist wirklich ziemlich nett hier.

Nicht nur der Springbrunnen sondern auch der Reiseflow flowt so vor sich hin – es hat diesmal keine vier Tage gedauert, bis wieder alles anfängt von selber zu laufen. Immer wieder gibt es auf den Reisen solche Schlüsselmomente in denen du die richtigen Personen ansprichst oder umgekehrt. Ich muss an Thailand denken, an Thomas, wie er, mir noch unbekannt, mit einer Karte in der Hand am Straßenrand stand, ich ihn nach dem Weg gefragt habe, ihn statt dahin wo er hin wollte auf eine Party mitgenommen habe und sich daraus die nächsten paar Monate und eine bis heute währende Freundschaft geformt hat.

Heute gilt es zu sagen: Danke Elise! Eigentlich wollte ich hier mein Basecamp für mindestens eine Woche aufschlagen und die Touren jeweils von hier aus starten und immer wieder zurückkommen. Aber so wie es nun ausschaut werde ich nur kurz in Yogyakarta sein, wenn unser Plan aufgeht können wir unsere Tour auf mehrere Tage aufteilen und so lange – mit Übernachtungen – in Richtung Osten fahren bis das Meer anfängt. Mit einem eigenen Jeep, wie geil ist das denn bitte?

To be continued…

(Dann auch mit mehr Bildern, das Internet ist hier recht langsam zum uploaden und ich bin müde… Jetzt aber noch ein bisschen Werbung für das Setiwa Kawa Losmen )

Das ist keine Kunstgalerie, das ist das Hostel Setiwa Kawa:
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Das ist kein indonesisches Museum, das ist das Hostel…:
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Das ist kein Tropenhaus, Setiwa Kawa…
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Auch kein Vespa-Museum, Setiwa Kawa…
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Internet im Setiwa Kawa:
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Mein bescheidenes Zimmer, klein aber superschön wie eben die ganze Atmosphäre hier:
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6 Comments

  1. mam
    June 17, 2014
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    Wußte gar nicht dass du ein Sonntagskind bist…schließlich war ich doch dabei. Das ist alles so super !Deine Beschreibungen mit den Bildern laden uns ein ,ein Teilchen mit zu reisen. Das macht Laune!Klasse. Wünsche ich dir weiter so. Das “Training” in Thailand hat sich bewährt offensichtlich.
    Schönen Trip mit dem fast Privaten. Wer weiß,so bringst du es noch zum semiprivaten Boot , Flieger………
    LG Mam

  2. June 18, 2014
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    Klaro, gegen einen Piloten samt Flugzeug hätte ich auch nichts einzuwenden gehabt 🙂 LG

  3. AndreA
    June 18, 2014
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    WoW, es klingt wunderbar! Grüß’ mir die Schildkröten 🙂 …und lass’ es dir weiterhin so gut gehn und genieße das Leben!!
    Liebe Grüße.
    AndreA

    • July 4, 2014
      Reply

      Den Schildkröten hab ich Hallo von dir gesagt, haben sich gefreut und liebe Grüße zurück 🙂

  4. June 18, 2014
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    Noch nichts gelesen bisher nur über die Seite geflogen. Hast du die Seite selber gemacht? oder ist das wordpress? Sieht super aus! Jetzt lesen? Lg Peter

    • July 4, 2014
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      Hi Peter, Seite ist mit WordPress aufgebaut, einem modifiziertem Template von http://www.cryoutcreations.eu, etwa 20 Plugins, ein paar Tropfen Herzblut und einigen langen Nächten mit viel Café 🙂

      Kann jedem der einen Blog starten will WordPress nur ans Herz legen, der Anfang ist supereinfach und alleine mit den Plugins und ein wenig CSS/PHP kann man quasi alles erreichen was man möchte! Als Hoster habe ich OVH aus Frankreich gewählt, sind günstig, zuverlässig und bieten einen guten Support. Viel Spaß dir beim lesen und beste Grüße 🙂

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