Supervulkane und Massentourismus

…vertragen sich nicht. Wir dachten ganz besonders schlau zu sein und die Unmengen an Besuchern zu umgehen, indem wir uns eine individuelle Tour von Yogyakarta bis nach Bali zusammenzustellen. So ganz geklappt hat das zwar nicht, beeindruckend war es trotzdem.

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Wer von Yogyakarta, der zweitgrößten Metropole Javas, Richtung Osten möchte, muss sich auf eine lange Fahrt gefasst machen. Die Stadt scheint nie aufzuhören. Noch müde war ich am Anfang schnell eingeschlafen und habe etwas überrascht geschaut, als ich nach zwei Stunden aufgewacht bin und alles immer noch nach Stadt ausgesehen hat. Soviel Einwohner Java hat, soviel Autos gibt es auch, entsprechend der Verkehr. Bis nach Probolinggo haben wir uns fünfzehn Stunden lang in einer nie enden wollenden Blechlawine entlang bewegt. Die ganze Insel scheint bebaut zu sein, wo kein Haus steht und sich keine Straße entlang zieht, wird der Platz für Ackerfläche genutzt. Java ist randvoll.

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Die lange Fahrt nimmt man auf dem Weg nach Bali in Kauf, um an einem der durchgängig aktivsten Stratovulkane Indonesiens vorbei zu kommen, dem Bromo, gelegen im Tengger-Vulkan-Massiv mit dem Durchmesser von unglaublichen 16 Kilometern.

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Derartige Superlative ziehen entsprechend viele Menschen an. Dort zu sein und sich darüber aufzuregen, ist ein wenig wie sich über einen Stau zu ärgern und selber Teil der Ursache zu sein. Entsprechend sollte man versuchen über die tausend anderen Besucher hinwegzusehen und die Aussicht zu genießen.

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Die Aussicht auf einen Sonnenaufgang, der den Bromo Vulkan und die Wolken die dieser durchgehend ausspuckt in einem sanften Rosa anmalt.

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Auf eine Mondlandschaft die erst beim späteren durchwandern Ihre surreale Gestalt offenbart.

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Auf unzählige Schichten immer weiter entfernter Berge die aus dem Nebel auftauchen und wieder verschwinden.

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Und auf spielzeugkleine Jeeps die sich durch die vulkanische Wüste quälen.

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Doch von diesen haben wir uns längst abgesetzt – und wandern zu Fuß dem schnell heiß werdenden Tag entgegen.

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Es ist nur wenige Jahre her, dass der Bromo das letzte Mal überraschend ausgebrochen ist und dabei einige Menschenleben gefordert hat. Irgendwie beeindruckt die Szenerie aber zu sehr um daran länger als einen Moment lang zu denken und kurz darauf stellen wir fest, dass es sich überraschend gut auf dem Vulkankrater schläft, sogar so gut, dass wir wenig später alle einen Sonnenbrand haben werden.

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Alleine über Bromo bzw. über das Bergdorf Cemoro Lawang, über unser sehr spezielles Hostel „Toilet“ und über alles was wir falsch gemacht haben könnte ich mehrere Seiten schreiben…

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Leider gibt es keine Patentlösung um diese Region ohne Stolperfallen zu erkunden. Wer es bis nach Probolinggo geschafft hat sollte sich überlegen im Sinar Harapan Hotel zu übernachten und sich von hier eine Tour zu organisieren. Nach eigenen Angaben kann der dort verantwortliche Manager die Touren günstiger organisieren. Und auch der seit einigen Monaten für Touristen um das zehnfache (!) angehobene Eintrittspreis für den Nationalpark der den Vulkan umgibt, lässt sich mit ein wenig Geschick scheinbar ganz umgehen wenn man dreist genug ist. Also schnell noch ein schönes Bild her bevor jemand merkt dass es hier auch etwas zu kritisieren gibt:

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Wir haben nicht nur den Eintritt brav bezahlt sondern auch gleich einen viel zu teuren Minivan für denselben Tag Richtung Ijen Krater gebucht – wenn wir uns schon abzocken lassen dann eben richtig. Die Fahrt gestaltete sich abenteuerlich, abgesehen von den beinahe indischen Straßen- und Verkehrsverhältnissen und abgesehen davon, dass in Java aus einer zehnstündigen Fahrt generell schnell fünfzehn Stunden werden, haben wir zusätzlich eine Radschraube nach der Anderen von dem schrottreifen Minivan verloren.

Natürlich ist das keinem aufgefallen. Erst als das hintere rechte Rad – mit nur noch einer Schraube befestigt – entsprechende Geräusche von sich gibt, beschließt unser Fahrer freundlicherweise anzuhalten. Tatsächlich sind fünf von sechs Schrauben schlichtweg abgebrochen.

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Auf einer deutschen Autobahn ein Rad zu verlieren wäre spannend genug. Hier, zwischen mit Kühen beladenen Pickups, zwischen verrückten Busfahrern und während waghalsigen Überholmanövern deines übermüdeten Fahrers, geht das schnell ganz anders aus. Etwas zu lachen gibt es trotzdem immer, die Kühe des Transporters vor dir pissen dir während der Fahrt unvermittelt auf die Windschutzscheibe oder ins Fenster – aber wenn du zum dritten Mal hintereinander morgens zwischen ein und drei Uhr aufgestanden bist, nimmst du sowieso nichts mehr ganz so ernst… Abenteuer ist es eben immer dann, wenn etwas schief geht.

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Irgendwie haben wir es dann tatsächlich, natürlich wieder mit Verspätung, zum Dorf ohne Namen beim Ijen Vulkan geschafft. Dort sind wir nach knapp drei Stunden Halbschlaf in einem der Homestays morgens um ein Uhr Richtung Krater aufgebrochen, um den Schwefelarbeitern bei ihrem Höllenjob zuzuschauen und um uns selber in die giftigen Schwefelschwaden zu werfen.

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Der Aufstieg zum und der Abstieg in den Krater dauert kaum mehr als zwei Stunden, ist aber aufgrund der Begleitumstände eine echte Herausforderung. Seit Tagen kaum geschlafen, wieder alles mitten in der Nacht, ein supersteiler „Weg“… Und wenn du gedacht hast, dass war es jetzt, dreht der Wind und du stehst mitten in einer unendlich großen Schwefelwolke, dir brennen Augen und Lunge und du ahnst wie anstrengend der Job ist, den die Menschen hier machen.

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Nur, dass du nicht auch noch 60-80 kg Schwefel in Bambuskörben auf deinen Schultern den Krater hinauf und anschließend den Berg hinunter schleppen musst. Für umgerechnet fünf Cent das Kilogramm!

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Der Lonely Planet schreibt, die Arbeiter seien trotz der harten Arbeit und der giftigen Schwefeldämpfe in guter gesundheitlicher Verfassung – da die körperliche Anstrengung sie fit halten würde. Ein versteckter Witz? Das ständige Husten um mich herum und der Gesichtsausdruck derer, die es nicht mehr schaffen für Geld in die Kamera zu lächeln spricht eine andere Sprache.

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Wer selber ohne Atemschutz in einer der Schwefelwolken gestanden ist, hustend, am Boden kniend und hoffend dass der Wind beidreht, glaubt das sicherlich nicht mehr.

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Das war genug Abenteuer für die erste Woche. Es fühlt sich an als wäre ich schon viel, viel länger hier und der Zwischenstopp auf Bali scheint verdient zu sein. Ich sitze mit Paul zusammen und einem Bier in der Hand am Strand, es ist längst dunkel und wir sehen kaum etwas.

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Nur der Geruch von Salz, zusammen mit dem verheißungsvollen Rauschen, welches die Luft zu uns trägt, verrät uns, dass wir am Meer sind. Welle für Welle fällt unsichtbar vor unserer Füßen zusammen und wir merken, wie anstrengend die letzten Tage waren. Ob es auf Bali mehr zu entdecken gibt, als das vielbeschworene „Mallorca der Australier“ werden die nächsten Tage zeigen, wir gehen Fisch essen, es gibt extravagante Cocktails. Dann fallen wir todmüde ins Bett…

PS: Es ist schon ein paar Tage her dass ich diesen Beitrag geschrieben habe aber erst  jetzt habe ich es geschafft die Bilder hierzu hochzuladen. Da man hier jedes einzelne Bit förmlich durch die Leitung prügeln muss dauert das mitunter recht lange und ich habe alles ziemlich stark komprimieren müssen. Wenn ich in einigen Wochen die Galerie erstelle, werde ich versuchen einzelne schöne Bilder in höherer Qualität zu zeigen. Bis demnächst!

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