Kuta Bali vs Kuta Lombok

Spätestens seit dem Anschlag auf eine Diskothek in Bali im Jahr 2002 ist Kuta der Weltöffentlichkeit ein Begriff. Dass es noch ein zweites Kuta gibt, auf Lombok, wissen schon viel weniger. Und das ist auch gut so.

Während auf Bali der Tourismus in und um Kuta inzwischen wieder genauso boomt wie vor dem Anschlag erwacht das Dorf in Lombok mit demselben Namen, entdeckt von immer mehr Surfern, erst ganz langsam aus seinem Dornröschenschlaf. Zwischen mit Palmen bewachsenen Hügeln und vor einer weit auslaufenden Bucht, gesäumt von einigen der schönsten Strände Indonesiens, liegt das ehemalige Fischerdorf und bildet eines der Highlights beim Besuch der östlichen Nachbarinsel von Mallorca Bali.

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Wenn morgens um die gleiche Zeit in Kuta und in Seminyak, den beiden größten Touristenmagneten in Bali, der Stöckelschuh tragende Pauschalurlauber-Karnevals-Verein von einer der vielen Diskotheken nach Hause torkelt, hat man sich in Lombok bereits ausgeschlafen und ist mit dem am Motobike festgeschnallten Surfbrett bereits wieder auf dem Weg zum nächsten Strand. Die beiden Orte könnten – abgesehen von demselben Namen – kaum unterschiedlicher sein.

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Sicher, auch in Kuta-Bali kann man seinen Spaß haben. Ab warum auf einer Party von Henkern tanzen, während nebenan die Hochzeit der Märchenprinzessin gefeiert wird? Mir hat es auf Lombok richtig gut gefallen, wenn ich mich nicht inzwischen in das Dörfchen Ubud verliebt hätte (dort bin ich gerade) wäre ich wahrscheinlich sogar noch einmal hier her gekommen.

Angefangen hat alles mit dem Roadtrip quer durch Lombok. Wir haben in Kuta nur übernachtet und am nächste Tag einige Strände hier in der Nähe besucht. Mir war recht schnell klar: Ich möchte wiederkommen. Aber was ist denn jetzt an Kuta so besonders? Schöne Strände gibt es doch in Lombok überall und wenn man genau hinschaut so sieht man leider auch in Kuta-Lombok die Kofferkuli-schubsenden Trolley-Schleifer. Für mich war es vor allem der Kontakt mit den Einheimischen, der hier aus dem Urlaub langsam eine Reise werden lässt und mir den verschlafenen Surfertraum in schöner Erinnerung hält.

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Schon fast am verzweifeln, dass es so schwierig ist “echten” Kontakt mit den Einheimischen zu bekommen, habe ich in Lombok gleich einen ganzen Haufen netter Leute kennen gelernt. Pigri zum Beispiel, der etwas schüchterne aber immer gut gelaunte Typ, der in meinem Homestay arbeitete. Wir haben nicht nur zusammen das ein oder andere Bierchen gezischt, er hat mich zum Essen eingeladen, ich habe ihm gezeigt wie man mit einer Kamera umgeht, er hat mir gezeigt wie man in Indonesien Karten spielt und ich habe fotografiert was passiert wenn man verliert: Man muss sich eine mit Wasser oder Sand beschwerte Flasche ans Ohr hängen.

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Wir sind gemeinsam in die Berge gefahren um die Fledermäuse im Sonnenuntergang zu filmen und haben uns über die Arbeitsbedingungen der Locals unterhalten. Er hat mich motiviert mehr auf die Einheimischen zuzugehen, ich habe ihn motiviert mehr von der Welt zu fordern. Viel Glück für die Zukunft, Pigri!

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Eigentlich an erster Stelle genannt gehört Kas, der mir nicht nur sein Motobike geliehen, mich zum Affenwald gebracht und Abends mit mir die Kneipen aufgemischt hat. Nachts saßen wir am Strand bei Gitarre und Lagerfeuer zusammen und haben philosophiert, Tagsüber hat er mich mit Essen und Infos versorgt. Am Schluss hat er nicht nur einen Fahrer zum Flughafen organisiert sondern hat mit mir die Nacht davor durchgemacht und ist morgens um fünf mit an den Flughafen gefahren… Danke für alles Kas!

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Von Kuta (Bali) ging es dann also weiter nach Kuta (Lombok). Hier hat Maria eine Villa, Maria kennt Selia, Selia kennt Daniel, Daniel kennt Daniel. Ist fast so verwirrend wie mit Kuta aber Tatsache: Auch den Namen Daniel gibt es scheinbar mehrfach. Wir haben uns schon vor einigen Wochen auf den Gili Islands kennen gelernt, die beiden hatten mich schon damals eingeladen, auf Bali bei Ihnen vorbei zu schauen und dieses Angebot habe ich dann auch gerne angenommen. Raisa, eine Holländerin auf der Suche nach Anschluss, hatte ich in Lombok noch kennengelernt und so sind wir dann alle im Haus von Maria untergekommen.

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Das Haus liegt zu südlich in Bali, da lag es nahe einen Ausflug zum Uluwatu Tempel zu machen. Wer dorthin unterwegs ist sollte sich nicht das Seafood am Jimbaran Beach entgehen lassen. Das Highlight im Uluwatu Tempel war die nicht mehr ganz authentische aber immer noch beeindruckende Tanzvorführung. Schade, dass das Internet hier so langsam ist, ich würde gerne ein Video hochladen…

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Während Selia und Daniel ihren ersten Tauchkurs belegt haben, bin ich mit Raisa zum Cocktails schlürfen, baden und zum surfen nach Seminyak gefahren. Seminyak toppt Kuta-Bali glatt vom Spießer-Faktor, so schön die Wellen zum surfen lernen sind, so langweilig und eindimensional sind die Menschen die sich dort finden. Nicht mein Ding, schöne Fotos gibts trotzdem:

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Wenn etwas nicht passt hat man glücklicherweise immer mehrere Möglichkeiten im Leben. Entweder man ändert die Umstände der Situation oder man befreit sich aus der Situation. Befindet man sich in an einem Ort oder in einer Situation die man nicht ändern kann und der man sich nicht entziehen kann (gebrochenes Bein vielleicht?), so bleibt noch die Möglichkeit den Moment/Ort/Mensch/Job zu akzeptieren. Keine gesundes Verhalten ist es, lediglich zu lamentieren, ohne den Versuch an der Situation etwas zu ändern, ohne den Versuch sich aus der Situation heraus zu bewegen.

Nach einigen Tagen, in denen wir mitunter eine gute Zeit hatten, hat es mir in der Villa schlussendlich zu sehr gemenschelt. Auch ich kann offensichtlich nicht mit jedem. Mit einer Rückwärtsrolle habe ich mich gestern dem Drama entwunden und reise nun wieder alleine. Wie schön es doch ist, einfach seinen Rucksack packen zu können und loszulaufen! Trotzdem ein paar schöne Bilder aus und um unserer Villa, wir hatten ja schließlich auch eine gute Zeit und die soll ebenso in Erinnerung bleiben:

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Genug des Geschwafels, ich werfe mich jetzt auf meinen Roller, fahre etwas futtern und genieße meine Freiheit. Stay tuned!

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